Yoga Wissen

Yoga, der innere Weg

By Januar 15, 2020 Januar 19th, 2020 No Comments

Der innere Weg des Yoga führt Sie zur Erfahrung des tiefen, nährenden Atems, der anregt oder beruhigt. Er lehrt Sie, Ihren Geist zu zentrieren und Ihre innere Kraft zu sammeln und auszurichten. Über den inneren Weg gelangen Sie zur Meditation – in einen Zustand, in dem Sie ganz bei sich sind. Er führt Sie zurück zur Quelle Ihrer Lebensenergie, die tief in Ihnen verborgen liegt.

Entspannen – ruhig werden – zu sich kommen

Viele Menschen kommen zum Yoga, weil sie nach einer Entspannungstechnik suchen. Körperlich und geistig erschöpft, haben sie den Zugang zu ihren eigenen Kraftquellen verloren. Sie können nicht mehr abschalten, ihr Geist läuft auch auf Hochtouren, wenn sie eigentlich ruhen wollen. Obwohl der Yoga vor so langer Zeit entstand, kennt er sich mit diesen nur scheinbar modernen Problemen sehr gut aus. Zwar haben sich die konkreten Ursachen für Stress im Laufe der Jahrhunderte verändert, aber die Struktur unseres Geistes, der sich mit den Problemen herumschlagen muss, ist doch die gleiche geblieben.

Den Geist beruhigen

Patañjali beschreibt in den Yoga-Sutras ausführlich, dass es unser Geist ist, der uns innerlich ständig umtreibt, und dass wir nur zu innerer Ruhe finden können, wenn wir lernen, unseren Geist zu kontrollieren und zu beruhigen. Wenn wir unseren Geist nicht kontrollieren, dann dominiert uns sein oft zwanghafter Aktivismus – und zwar ohne Unterlass.

Es beeinflusst unser ganzes Sein, wenn der Geist sich mit Fragen beschäftigt wie: »Was soll ich tun, damit ich in dieser oder jener Situation den besten Eindruck mache? Wie sollte ich mich zeigen, was sollte ich unterlassen? Wie habe ich mich in dieser oder jener Situation verhalten? Welchen Eindruck haben die anderen von mir? Was denken sie von mir? Was fühlt mein/e Partner/in für mich? Werde ich wirklich gesehen, akzeptiert und geliebt?«

Diese Fragen bewegen uns ständig, sowohl bewusst als auch unbewusst. Da wir selten klare Rückmeldungen von unserer Umwelt bekommen, müssen wir uns in der Regel mit Vermutungen begnügen und mit der Ungewissheit leben. Jeder Mensch braucht das Gefühl, von anderen anerkannt zu werden. Deswegen sind wir ständig bemüht, uns so zu verhalten, dass wir Anerkennung bekommen – egal ob uns dieses Verhalten entspricht oder nicht. Die Tatsache, dass wir in einer Leistungsgesellschaft leben, tut ein Übriges. Dieses ständige Bemühen, dieses »So tun, als ob«, dieses »Sichverbiegen« erzeugt eine Anspannung, die sich nach und nach schädlich auf Körper, Geist und Seele auswirkt.

Die alten Yogameister haben diese Zusammenhänge genau erkannt und immer wieder dargelegt, wie sehr wir uns mit einem solchen Verhalten von uns selbst entfremden, wie wir aufhören, uns zu spüren, bis wir eines Tages gar nicht mehr richtig wissen, wer wir sind. Wir sind nicht mehr in unserer Mitte, ja, im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr »bei uns«. In diesem Zustand empfinden wir alles als Stress – jede Anforderung, jede Reaktion unserer Umwelt, jedes kleine Missgeschick.

Lernen Sie, Ihren Geist zu beobachten

Als Beobachter Ihrer selbst können Sie lernen, sich im Denken, Handeln und Reagieren zuzuschauen. Patañjali schreibt: »Die Ursache für Handlungen, die leidvolle Auswirkungen haben, liegt in unserer Unfähigkeit, zwischen dem, was wahrgenommen wird, und dem, was wahrnimmt, zu unterscheiden« (Yoga Sutra 2.17). Leid entsteht, weil sich unser Geist mit dem, was geschieht, oft so intensiv verbindet. Weil er so viel persönlich nimmt. Und weil wir uns mit all den flüchtigen Gedanken, Gefühlen, Vermutungen und Projektionen identifizieren, die im Laufe eines Tages kommen, bestehen – und wieder vergehen. Wenn Sie die Instanz des Beobachters in sich entwickeln, wird es Ihnen möglich sein wahrzunehmen, wie eine Situation entsteht. Sie bemerken, wie Sie auf sie reagieren wollen. Aber bevor Sie handeln, können Sie noch einmal überlegen, ob das, was Sie vorhaben, auch wirklich günstig und förderlich für Sie und andere ist – oder nicht. Dieser kurze Moment des Innehaltens und Überlegens gibt Ihnen die Möglichkeit, Ihr Verhalten oder Ihre Einstellung bewusst zu wählen.

Der Weise Patañjali beschreibt diesen Moment, in dem Sie die Möglichkeit haben, »zu sich zu kommen«, anstatt »außer sich zu sein«, als den Zustand des Yoga. Der Geist wird einen Atemzug lang still und Körper, Geist und Seele verbinden sich wieder. Indem Sie so innerlich auf Abstand gehen und sich selbst beobachten, entsteht Klarheit und Sie können die Identifikation mit dem Problem lösen, weil Sie aufhören, das, was Ihnen geschieht, (zu) persönlich zu nehmen.

Quelle: Das grosse Buch vom Yoga

© 2019 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, München

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