Yoga Wissen

Konzentration und Meditation

By Januar 12, 2020 Januar 19th, 2020 No Comments

Der Geist ist ständig in Bewegung. Sein Zustand gleicht oft der Situation im Berufsverkehr: Die Gedanken drängen und schieben sich mal schnell, mal stockend wie Autos in der Rushhour durch den Kopf. Die Gedanken ziehen unsere Aufmerksamkeit abwechselnd in die unterschiedlichsten Richtungen und manchmal auch in mehrere Richtungen gleichzeitig, wenn verschiedene Gedanken mit gleicher Intensität an uns zerren. Für viele Menschen gehört es zum Berufsalltag, dass tausende Dinge auf sie einstürmen, die alle gleichzeitig erledigt werden sollen. Wenn es ganz schlimm wird, umschreiben wir unseren Zustand mit »Ich weiß gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht«.

Der zerstreute Geist

Dieser Zustand ist dem Versuch vergleichbar, viele Sachen gleichzeitig in einer Hand zu halten: Wir können nichts richtig festhalten und schnell geschieht es, dass uns etwas aus der Hand rutscht und herunterfällt. In Zeiten, in denen viel auf einen einstürmt, neigt man dazu, kopflos, verwirrt und zerstreut zu sein. Man vergisst Dinge, reagiert unachtsam auf die Menschen in seiner Umgebung und hat Mühe, bei der Sache zu bleiben. Am Ende eines solchen Tages ist man geistig, aber auch körperlich erschöpft und hat dennoch Mühe, gut zu schlafen, weil man nicht abschalten kann. Ist man dann endlich eingeschlafen, treibt einen dieselbe innere Unruhe in den Traumphasen weiter um, sodass man sich hin und her wirft, mit den Zähnen knirscht, wach liegt und grübelt … Dass so ein Leben für den Körper und den Geist auf Dauer schädlich ist, ahnt wohl jeder. Wir wissen nur häufig nicht, wie wir mit diesen Anforderungen an unseren Geist umgehen sollen. Dabei tragen wir alle die natürlichen Anlagen zur Konzentration und geistigen Klarheit in uns.

Der Verlust des Spürens

Ein Geist, der immer wieder abschweift, verliert nicht nur den Faden im Tun oder im Gespräch, er verliert ebenso die Kontinuität im Fühlen. Dadurch geht die Tiefe des Fühlens verloren und der Mensch verliert die Spürfähigkeit und das Spürbewusstsein für sich selbst. Sich zu spüren, ist allerdings für uns Menschen wesentlich, denn nur so wissen wir, dass wir leben.

Menschen, die diesen feinen Draht zu sich verloren haben, suchen im Außen nach stärkeren Reizen. Sie fahren schnell und riskant Auto, brauchen heftige Auseinandersetzungen, starke Stimulation beim Sex, großen Stress, harte Sportarten – alles, um sich überhaupt noch zu spüren.

Konzentration lernen

Der Weg sollte zurückführen zum Feineren, Zarteren und zur inneren Wahrnehmung, in der die Aufmerksamkeit gebündelt und gelenkt wird. Das Sanskrit-Wort Dharana für Konzentration bedeutet, nur eine Sache in der Hand zu halten. Diese eine Sache können wir »gut im Griff« haben. Mit nur einer Sache können wir uns wirklich beschäftigen, um sie zu verstehen und zu erkennen.

Sie brauchen Zeit und Geduld, um wieder zu lernen, sich zu konzentrieren. Insbesondere zu Beginn wird Ihr Geist immer wieder versuchen, sich der Konzentration zu entziehen, um wie gewohnt herumzuschweifen; deshalb muss er geschult und trainiert werden.

Zurückgezogen in sein »Körperhaus« kann der Geist sich niederlassen. In diesem inneren Raum kann er zur Ruhe kommen, sich sammeln, sich regenerieren und still werden.

Im inneren Raum still werden

Langsam geschieht dann das, was der Yoga unter Meditation versteht. Es geht darum, die Dinge mehr und mehr in ihrem Sosein zu erkennen. Ein unruhiger, aktiver Geist bewertet ständig alles, zieht Vergleiche und klassifiziert damit jeden Menschen und jedes Ding als angenehm oder unangenehm, gut oder schlecht. Ein stiller Geist dagegen kann Achtsamkeit entwickeln (um mit Abstand auf alles zu schauen) und die Verzerrungen (die durch unsere Erfahrungen, Erwartungen und Anschauungen entstehen) dadurch immer mehr beiseitelassen.

»Alles Wahrgenommene ist nur dazu da, um wahrgenommen zu werden«, bemerkt Patañjali dazu in seinem Yoga-Sutra (2.21) und rät uns damit, immer wieder zu versuchen, das Wahrgenommene »auf sich beruhen zu lassen«. Aus einer solchen Geisteshaltung entsteht Gelassenheit.

Die Grundlagentexte sagen zudem: Wenn sich unser Geist einem Gegenstand oder Menschen in Achtsamkeit zuwendet und still wird, dann ist er auch in der Lage, das Wesen dessen zu erfassen, was er betrachtet. Der Zustand, in dem er sich dann befindet, wird Meditation genannt.

Quelle: Das grosse Buch vom Yoga

© 2019 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, München

BESUCHEN SIE DIE YOGA SHOW!

Die Mitmach-Messe die inspiriert, kraft und Freude spendet.

Yoga Show Termine

München, 05-06.09.2020
Hamburg, 07-08.11.2020
Rhein-Main, 20-21.02.2021